Kleine Geschichte des Schwarzburgbundes

"Gott - Freiheit - Vaterland!" lautete der Wahlspruch der Jenaer Urburschenschaft. Während sich aber große Teile der Burschenschaften bald von den christlichen Prinzipien abgewandt hatten, pflichtschlagend wurden und sich später unter dem Wahlspruch "Ehre - Freiheit - Vaterland!" in der Deutschen Burschenschaft (DB) wieder fanden, ist der Schwarzburgbund (SB) den urburschenschaftlichen Prinzipien treu geblieben.

Die älteste SB-Verbindung ist die Christliche Studentenverbindung Uttenruthia, die unter diesem Namen seit 1836 in Erlangen besteht. Ihre Wurzeln reichen aber bis in die Erlanger Urburschenschaft Arminia zurück. Als aufgrund der Karlsbader Beschlüsse die Burschenschaften verboten wurden, traf man sich weiterhin auf den Dörfern um Erlangen herum. Die mehr burschenschaftliche Fraktion traf sich in Bubenreuth, die mehr theologische in Uttenreuth. Hieraus entstanden dann nach und nach die Bubenruthia und die Uttenruthia.

In der Folgezeit gab es verschiedene Zusammenkünfte zwischen Uttenruthia und Wingolf in Thüringen. Seit 1850 gingen Uttenruthia und Wingolf jedoch getrennte Wege, nachdem sich der Erlanger Wingolf von der Uttenuthia abgespaltet hatte. Auslöser waren Streitigkeiten u.a. über ein gemeinsames Tischgebet, das die Uttenruthia ablehnte. Auch in Heidelberg fand eine vergleichbare Trennung statt, auf die heute die Hercynia sowie der Heidelberger Wingolf zurückgehen.

Die heute zweitälteste SB-Verbindung die Christliche Burschenschaft Germania Göttingen unterhielt noch 1852-66 ein Freundschaftsverhältnis mit dem Wingolf sowie 1860-63 ein Kartellvertrag mit der Wingolfsverbindung Argentina in Straßburg.

1852-55 bestand der Schwarzburger Verein, der erste Zusammenschluss von drei Verbindungen, auf den der SB zurückgeführt werden kann. Die drei Verbindungen waren neben der Uttenruthia: Pflug Halle und Germania Marburg.

1858 wurde ein Kartellvertrag zwischen der Uttenruthia und der Tuiskonia Halle (1856 gegründet) als "Darstellung eines christlich-studentischen Gemeinschaftslebens" abgeschlossen.

An diesem Kartell nahm von 1863-66 auch die Germania Bonn teil.

Das Kartell zerbrach und wurde von 1867-1868 durch ein neues zwischen Uttenruthia, Tuiskonia und Germania Göttingen (1851 gegründet) ersetzt.

1875-78 bestand ein Kartell zwischen Uttenruthia, Tuiskonia, Nordalbingia Leipzig (1870 gegründet) und Arminia Straßburg. Letztere hatte sich vom Wingolf abgespalten.

1885 erfolgte dann der Kartellvertrag des Viererbundes aus Uttenruthia, Tuiskonia, Nordalbingia und Sedinia Greifswald (1884 gegründet).

Der 3. Juni 1887 gilt als das offizielle Gründungsdatum des Schwarzburgbundes. An diesem Tag wurde der bestehende Vierervertrag erweitert und der Name "Schwarzburgbund" angenommen. Von nun an wurde in zweijährigem Rhythmus ein Festkommers und ein Convent abgehalten, wobei das Präsidium nach dem Verbindungsalter wechselte.

Beim dritten SB-Convent kam es zu der "Erklärung des Schwarzburgbundes gegen die Verherrlichung der Corps sowie von Duell und Mensur durch den deutschen Kaiser", mit der der SB erstmals an die Öffentlichkeit trat.

Der Unglückskaiser und Corpsstudent Wilhelm II. erließ daraufhin eine Kabinettsorder, die basagte, dass kein SBer Reserveoffizier werden solle. Bei Kriegsbeginn wurde sie selbstverständlich aufgehoben.

1891 erschien die Erstausgabe der Zeitschrift "Der Schwarzburgbund" (heute "Die Schwarzburg").

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde der SB um Verbindungen mit christlichen Grundsätzen beträchtlich erweitert. So kam es z.B. 1893 zum Kartellabschluss mit der Germania Göttingen.

Mit dem Ersten Weltkrieg und dem daniederliegenden Universitätsbetrieb machte auch der SB eine Krise durch. Sie sollte nach dem Krieg zu einer Reform in Aufbau und Programm führen. In einem Flugblatt von 1919 hieß es: "Wir wollen die Wiedergeburt des SB aus seinem innersten Wesen heraus und in notwendiger Auseinandersetzung mit dem Geiste der neuen Jugendbewegung." Der Umbau des SB in Verbindung mit den Freideutschen bzw. der Freideutschen Jugend führte zu einer gewissen Lossagung von den Werten und Bindungen der Vergangenheit und damit auch vom Christentum.

Auf der SBT 1933 verkündete der neue "Bundesführer" Dr. Behne eine "neue Marschrichtung" des SB: "Die eindeutig bestimmte Führerordnung im neuen Führerstaat ist auch die eindeutige Ordnung für den Bund!" Für sein Vorhaben, den SB als ganzes in den NSDStB einzugliedern, fand er jedoch im Bund keine Mehrheit.

1935 kam es daher zur erzwungenen Auflösung des aktiven Bundes. Trotz der Auflösung fand 1936-39 jährlich noch eine SBT statt. Um die Auflösung des aktiven Bundes zu umgehen, konnten auch Aktive Mitglied im "Deutschen Verband alter SBer (DVSB)" werden.

1938 ordnete der "Reichsstudentenführer" auch die Auflösung des DVSB an. Jedoch wurde ihm wenigstens gestattet, sich zur SBT 1939 selbst aufzulösen.

Nach 1945 trafen sie viele Bundesbrüder wieder öffentlich zu Stammtischen. Bereits 1946 konnten die Uttenruthia (im Krieg Deckname "Ellipse") und die Nicaria Tübingen ("Neckarbund") wieder gegründet werden. Viele andere Verbindungen folgten nach.

Der Schwarzburgbund wurde als erster Dachverband bereits 1947 als "Freundschaftsbund Schwarzburg" in Hamburg durch die britische Militärregierung lizenziert. Die feierliche Wiedergründung unter dem eigentlichen Namen "Schwarzburgbund" erfolgte 1951 in Göttingen.

Da man in Schwarzburg keine Veranstaltungen mehr ausrichten konnte, fand die SBT zumeist in Bad Hersfeld statt, die FMT an wechselnden Orten. Erst mit der Wiedervereinigung Deutschlands konnte der SB an seinen alten Gründungsort in Thüringen zurückkehren.

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