I. Die Umwandlung des Korporationsheimes in ein Wohnkameradschaftsheim
Im SS 1933 tauchte erstmals als Thema eines Vortrags auf: "Die Verwirklichung des Führerprinzips in der Korporation", und schon im WS 1933/34 sah sich die Aktivitas in Abstimmung mit dem VAH genötigt, wie es hieß "den Zeichen der Zeit folgend" das angemietete Heim in der Gustav-Adolf-Straße in ein Wohnkameradschaftsheim umzuwandeln. Hierzu wurden zusätzlich zu der bisher benutzten Parterre-Wohnung in der I. Etage weitere Räume angemietet. In der Tagesordnung des Generalkonvents hieß es damals:
Ein Rundschreiben des VDB vom Dezember 1934 begann mit den Worten: "Der Umbruch der letzten Monate ist auch an den Hochschulen nicht spurlos vorüber gegangen." Noch im August 1934 hatte der Vorsitzende des VDB unter dem Titel "Existenzberechtigung der Verbände" ausgeführt: "Die Korporationsverbände sind in die Organisation der Deutschen Studentenschaft hineingebaut. Aus diesem Grunde sollte eine Auflösung ernsthaft nicht in Betracht kommen." Trotzdem wurde die politische und damit auch die wirtschaftliche Lage der Korporationen vom WS 1934/35 ab zusehends schwieriger. Dies ergab sich zwangsläufig durch die wachsende Vormachtstellung des "Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbundes", der gestützt auf seine ständig steigende Mitgliederzahl mehr und mehr alle wichtigen hochschulpolitischen Fragen entscheidend beeinflusste.
So hatte er es durchgesetzt, dass ab dem WS 1934/35 alle Studenten an Kursen für politische Schulung teilnehmen und diese Teilnahme anlässlich ihres Vor- und Hauptexamens nachweisen mussten. Obwohl nun die Burschenschaft im VDB Teutoburg dieser Notwendigkeit Rechnung tragend die politische Schulung in ihr eigenes Ausbildungsprogramm aufgenommen und auch die Genehmigung zur Durchführung einer eigenen politischen Ausbildung erhalten hatte, ließ es sich nicht vermeiden, dass sie bei der Testierung der Schulung in eine gewisse Abhängigkeit vom Nationalsozialistischen Studentenbund geriet. Dies zeigte sich vor allem daran, dass die neuimmatrikulierten Studenten es einfacher hatten, ihre "völkische Gesinnung und Reife" nachzuweisen, wenn sie direkt dem nationalsozialistischen Studentenverband beitraten, als den Umweg über eine Korporation zu wählen.
Es durfte daher niemanden verwundern, dass ab 1935 die Korporationen kaum noch irgendwelche Aussicht hatten, neuen Zuwachs aus den Reihen der Studienanfänger zu erhalten, so dass sie, durch den Nachwuchsmangel langsam dezimiert, nach und nach zur Suspendierung schreiten mussten. Die Korporationsstudenten mussten einsehen, dass der "Nazi-Studentenbund" sein Vorgehen politisch äußerst geschickt ausgerichtet hatte, indem er offiziell den Korporationen, wenn sie sich zur völkischen Idee bekannten, ihren Fortbestand garantierte, sie aber durch starke Behinderung bei der Fuxenwerbung zum Aussterben verurteilte. So mussten auch die Teutoburger am 31. März 1935 ihr schön eingerichtetes und mit viel Idealismus und persönlichem Einsatz geschaffenes Heim in der Gustav-Adolf-Straße aufgeben. Das Haus wurde im zweiten Weltkrieg durch Bomben zerstört, aber einige Jahre nach dem Kriegsende wieder aufgebaut.
Schleichende Gleichschaltung 1935:
II. Das vorläufige Ende der Burschenschaft im VDB Teutoburg in Hannover
Mit der Aufgabe ihres Heims in der Gustav-Adolf-Straße 19, von dem die Bundesbrüder mit dem am 16. Februar 1935 stattgefundenen Winterschlusskommers offiziellen Abschied nahmen, hatten die Aktiven ihren Glauben an ein eigenes Heim zunächst nicht endgültig aufgegeben. Man hegte die feste Hoffnung, dass man nach Konsolidierung der Finanzlage erneut ein Heim einrichten könnte. Nur wer diesen unerschütterlichen Glauben der Aktivitas erlebt hat, kann es verstehen, wenn in dem zu Beginn des SS 1935 herausgegebenen Rundschreiben der Semesteranfang als Markstein in der Korporationsgeschichte bezeichnet wird. Bis dahin sollten die Veranstaltungen wieder wie vordem in Clubzimmern von günstig gelegenen Bierlokalen stattfinden. Die Aktivitas war dann einer ernsten Sorge enthoben, als es gelang, in Vereinbarung mit dem Inhaber der bekannten, zentral gelegenen Gaststätte "Deutsches Bierhaus" ab dem SS 1935 eine den Umständen nach zufrieden stellende Bleibe für die Durchführung der korporativen Veranstaltungen zu erhalten. Als sich dann die Bundesbrüder am 22. und 23. Juni 1935 zusammenfanden, um ihr jährlich stattfindendes Stiftungsfest unserer Teutoburg feierlich zu begehen, waren sich zwar alle Anwesenden des Ernstes der für die Korporationen entstandenen schwierigen Lage bewusst; doch hat wohl keiner der Teilnehmer erahnt, dass es das letzte Stiftungsfest der Burschenschaft im VDB Teutoburg sein würde.
Unter dem ständig wachsenden Druck des NS-Staates erfolgte im Zuge der Selbstauflösung der Korporationsverbände am 27. Oktober 1935 in Frankfurt/Main auch offiziell die Auflösung des VDB. Obwohl sich der "Führer des VAH" Robert Bienert und auch der "Führer der Aktivitas" Paul Pantze alle erdenkliche Mühe gaben, den Zusammenhalt der Bundesbrüder aufrechtzuerhalten, konnte die Auflösung der Korporation, nachdem inzwischen fast alle Möglichkeiten der korporativen Betätigung durch Auflagen behindert oder ganz verboten worden waren, nicht mehr abgewendet werden. In welcher Weise in das Eigenleben der Verbindungen und die Rechte der einzelnen Aktiven eingegriffen wurde, kann aus einem der letzten wichtigen "Erlasse" des "Führers der Aktivitas" entnommen werden:
Am Ende des in jeder Hinsicht für das Korporationsleben unerfreulichen WS 1935/36 wurde für das erwartete Sommersemester 1936 als Nachfolger für Bbr. Pantze Bbr. Karl-Heinz Voge als neuer Führer der Aktivitas bestellt. Von diesem wurde das letzte Rundschreiben am 1. Mai 1936 herausgegeben, leider fand das Korporationsleben aber schon am 16. Mai 1936 durch die Auflösung der Aktivitas ein Ende. An dieser Stelle muss es den letzten Führern der Aktivitas sowie dem in den letzten Jahren unermüdlich tätigen Führer des VAH, Robert Bienert, auch noch einmal im Namen aller Bundesbrüder hoch angerechnet werden, dass sie es bis zuletzt, aller widrigen Auflagen des NS-Staates zum Trotz, verstanden haben, mehrere Jahre hindurch die Korporation zu erhalten und die Verbindungen besonders hernach zu den einzelnen Bbr. Bbr. aufrechtzuerhalten.
Kritische Anmerkung von Bbr. Alfred Baumgart: