I. Die Neugründung des VAH der Burschenschaft Teutoburg 1948
Die alte Weisheit, dass ein für das ganze Leben zwischen Freunden geschlossener Bund wohl durch staatliche Gewalt in seiner öffentlichen Entfaltung behindert, aber niemals unterdrückt werden kann, bewahrheitete sich, als eine Reihe von alten Teutoburgern, die dem Inferno des furchtbaren Zweiten Weltkrieges einigermaßen unversehrt entronnen waren, schon bald als sie eine Unterkunft gefunden, ihre Familien in Sicherheit wussten und sich wieder ihrem Beruf zuwenden konnten, sich als Nächstes die Frage nach dem Verbleib der alten Freunde aus der Studienzeit stellten. Die Suche nach ihnen war in der Nähe und der weiteren Umgebung von Hannover so erfolgreich, dass schon in der Mitte des Jahres 1947 eine erste Liste der Anschriften von 24 in Niedersachsen wohnhaften Angehörigen des ehemaligen VAH der Teutoburg und zwei "Bundesschwestern" erstellt werden konnte, so dass es von da ab nur eine Frage der Zeit und des guten Willens war, die alten Bundesbrüder, die sich über 10 Jahre lang nicht gesehen oder auch nur voneinander gehört hatten, zu einer neuen Gemeinschaft, aber in alter Verbundenheit zusammenzuschließen.
Schon am 27. November 1948 fanden sich in der traditionellen alten Konstante, dem Deutschen Bierhaus am Thielenplatz, 13 Bundesbrüder zusammen, die einstimmig beschlossen, die schon ein Jahr bestehende Stammtisch-Gemeinschaft aufzugeben und eine neue Altherrenschaft Teutoburg in Hannover ins Leben zu rufen. Wie in dem im Dezember 1948 herausgegebenen Rundschreiben Nr. 1 mitgeteilt wurde, wählten die 13 versammelten ehemaligen Bundesbrüder unter schriftlicher Zustimmung von sieben am Erscheinen verhinderter Bundesbrüder ihre Vertreter der neuen Gemeinschaft: Dipl.-Ing. Arthur Großkopf (Vorsitzender), Dipl.-Ing. Walter Schwehn (Kassenwart), Dipl.-Ing. Walter Lemme (Schriftwart), Dipl.-Kfm. Robert Bienert (Verbandsbeauftragter). Es wurde des weiteren beschlossen, regelmäßig in Hannover folgende Veranstaltungen durchzuführen: je einmal im Monat Stammtisch in den Bahnhofsgaststätten sowie Damenkränzchen in der Opernkonditorei.
Da die Mehrzahl der Bundesbrüder die schönsten Jahre ihres Lebens getrennt von Familie und Freunden hatten verbringen müssen, befanden sie sich entweder noch in der zweiten Hälfte der dreißiger oder schon in den vierziger Jahren. Allen fehlte somit schon die Verbindung zur jungen Generation, d.h. bezogen auf das Leben der Korporation, jener Jahrgänge, die für die Werbung von Füxen in Frage kommen. Jede Hoffnung, bald wieder die Möglichkeit zur Schaffung einer eigenen Aktivitas zu haben, musste daher auf lange Zeit abgeschrieben werden.
Dem verständlichen Wunsch der Teutoburger, sich jetzt wieder voll entfalten zu können, waren aber, wie man bald feststellen musste, enge Grenzen dadurch gezogen, dass der neue VAH Teutoburg vollständig auf sich allein gestellt war. Alle Versuche, mit den alten Verbandskorporationen wieder in Verbindung zu treten, führten, abgesehen vom Austausch einzelner Einladungen zu den Stiftungsfesten (Marcomannia/Frankfurt oder Ceresia/Freising) zu keinem bleibenden Erfolg. Als wertvoll zeigte sich der Entschluss, den VAH Teutoburg auf der TH Hannover eintragen zu lassen. Dies führte zu einer freundschaftlichen Kontaktaufnahme mit dem VAH des Wingolf und seiner Aktivitas, sowie mit dem AHV der im Jahre 1951 neu eröffneten Schwarzburgverbindung Ostfranken.
Annäherung zwischen Teutoburg und "Ostfalen" 1952:
II. Der Zusammenschluss von Teutoburg und Ostfranken 1952
Als dann Ende 1951 zwischen Teutoburgern und Ostfranken häufig gegenseitige Besuche stattfanden, entstand bald eine freundschaftliche Annäherung der beiden Korporationen. Es ergab sich dabei von selbst, dass auch die Vorzüge und Schwächen zur Sprache kamen, die in nur wenigen Worten skizziert darin bestanden, dass es den Ostfranken trotz ihres kleinen AH-Stammes mit Unterstützung ihres Verbandes gelungen war, eine lebensfähige Aktivitas zu gründen, während die Teutoburger zwar über keine Aktivitas, dafür aber über einen beachtlichen, in und bei Hannover ansässigen AH-Stamm verfügten.
In den weiteren Besprechungen, an denen von Seiten der Teutoburg die Bbr. Bbr. Großkopf, Hartwig, Hornbostel und Lemme und als Vertreter der Ostfranken der AHV- und Landesverbandsvorsitzende Dr. Strecker sowie Patentanwalt Reeno Schomerus teilnahmen, gelangte man bald zur gemeinsamen Erkenntnis, dass die Vorteile bei beiden Verbänden unter Vermeidung der aufgezeichneten Nachteile für alle Beteiligten nur dann zur vollen Entfaltung kommen könnten, wenn man sie zusammenfügte. Allen Beteiligten ist das kleine, heute nicht mehr vorhandene Lokal in der Kirchwenderstraße, in dem die für die Zukunft entscheidenden Beschlüsse gefasst wurden, noch immer in angenehmer Erinnerung. Rückblickend soll nicht verschwiegen werden, dass die unsichere Zukunft für den Fall des Allein-Weiterlebens angesichts der schon 1950 beginnenden, in den Jahren 1951/52 verstärkt in Erscheinung tretenden Gefahr des Abbröckelns bei den Teutoburgern mit zu der getroffenen Entscheidung beigetragen hat.
Leider hatte eine ganze Reihe von Bbr. Bbr., die noch 1948 der Neugründung des AHV begeistert zugestimmt hatten, eine zunehmende Interessenlosigkeit bekundet, die vor allem darin zum Ausdruck kam, dass sie entweder überhaupt nicht mehr zur Teilnahme an Veranstaltungen zu bewegen waren oder, was schlimmer war, unsere Anfragen mit Schweigen beantworteten. Dass wir diesen Vorgang von Seiten des Vorstands des neuen AHV Teutoburg richtig erfasst hatten, zeigte sich darin, dass sie zur Frage der Fusion nicht, wie erwartet, mit Protest, sondern auch diese lebensentscheidende und zukunftgestaltende Frage mit Schweigen beantworteten. Der Anteil der ehemaligen Teutoburger ist, wie aus dem später versandten gemeinsamen Mitgliedsverzeichnis zu erkennen ist, kleiner ausgefallen, als wir es erwartet hatten.
Zum von uns erstrebten großen Ereignis wurde dann von Seiten der Teutoburger mit einem letzten Rundschreiben vom Juni 1952 zu einem letzten selbständigen Treffen am 9. August 1952 im Deutschen Bierhaus aufgerufen, auf dem als einziger Punkt der Tagesordnung die Stellungnahme der Mitglieder zur Frage der Fusion stand. Diejenigen, die am Erscheinen verhindert waren, hatten die Möglichkeit, auf schriftlichem Wege ihre Stimme abzugeben. Die Entscheidung fiel, wie sie erwartet wurde. Abgesehen von einer Nein- und einer enthaltenden Stimme stimmte die große Zahl der Bundesbrüder für den Anschluss. Es bedarf keiner Erwähnung, dass es wohl für jeden alten Teutoburger eine gewisse Überwindung kostete, für die Zukunft mit einem kurzen Ja-Wort den altvertrauten Namen der "Teutoburg" gegen den uns noch völlig neuen Namen der "Ostfranken" zu vertauschen. Wir mussten es als eine ernste Operation ansehen, der wir um zu überleben nicht ausweichen durften.
Zu Beginn des Wintersemesters 1952/53 fand dann auf der Antrittskneipe am 8. November 1952 der Zusammenschluss der Ostfranken mit der Altherrenschaft der Teutoburg statt. In der gemeinsamen neuen SB-Verbindung fanden wir verständnisvolle Partner. Es war vereinbart worden, dass der bisherige Vorsitzende der Ostfranken den Vorsitz weiter führte, während der bisherige Vorsitzende der Teutoburg die Aufgabe seines Stellvertreters erhielt. Alle ehemaligen Ostfranken wie die neu hinzugekommenen ehemaligen Teutoburger hat es in gleicher Weise schwer getroffen, als Dr. R. Strecker wenige Jahre darauf mitten aus dem Schaffen und Wirken für SB und Korporation durch den Tod heraus gerissen wurde. Seinem letzten Wunsch entsprechend wurden die leitenden Aufgaben des AHV durch den bisherigen stellvertretenden Vorsitzenden Arthur Großkopf und die Leitung des Landesverbands durch Bbr. Johannes Hornbostel weitergeführt, also zwei ehemalige Teutoburger.
Der Wahlspruch der Schwarzburgverbindung Ostfranken nennt an dritter Stelle die Freundschaft. Die einander von beiden Seiten entgegengebrachten freundschaftlichen Gefühle haben bald dazu geführt, dass sich die jungen Ostfranken mit den ehemaligen Teutoburgern in gleicher Herzlichkeit verbunden wussten wie mit den SB-Philistern. Noch heute tragen die Chargen unserer Verbindung neben dem Ostfrankenband zugleich die Farben der ehemaligen Burschenschaft im VDB Teutoburg.
Die Teutoburg geht in den Ostfranken auf:
III. Das weitere Schicksal der übrigen VDB-Verbindungen
1951 trägt die Burschenschaft im SB Germania zu Göttingen drei ehemaligen VDB-Verbindungen den Abschluss eines Freundschaftsvertrages an. Die Verhandlungen werden jedoch 1955 abgebrochen, worauf diese Bünde der "Frankfurter Arbeits-Gemeinschaft" (FAG) beitreten. Einige der alten VDB-Burschenschaften finden sich später im "Deutschen Burschen-Ring" (DBR) und darauf im "Deutschen Wissenschafter Verband" (DWV) wieder. Der DWV steht seit 1960 in einem Freundschaftsverhältnis zum SB.
Die einzelnen VDB-Burschenschaften und ihr weiteres Schicksal: